Einleitung: Ein historischer Höchststand bei den Firmengründungen
Die Schweiz hat sich 2025 einmal mehr als dynamischer Wirtschaftsstandort bewiesen. Mit 55’654 neu gegründeten Unternehmen wurde ein historisches Allzeithoch erreicht – ein Plus von 5,1 Prozent gegenüber dem bisherigen Rekord aus dem Jahr 2024. Im Vergleich zu vor zehn Jahren sind die Gründungszahlen sogar um beeindruckende 34,7 Prozent gestiegen. Was treibt diesen Boom an, welche Branchen profitieren am meisten, und was bedeuten diese Zahlen für angehende Gründerinnen und Gründer?
Dieser Artikel liefert einen umfassenden Überblick über die Neugründungen in der Schweiz im Jahr 2025 – inklusive detaillierter Zahlen, regionaler Unterschiede, Branchentrends und praktischer Tipps für alle, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen möchten.
Die Zahlen im Überblick: 55’654 Neugründungen
Gemäss der Jahresstudie des IFJ Institut für Jungunternehmen wurden im Jahr 2025 insgesamt 55’654 neue Firmen ins Schweizerische Handelsregister eingetragen. Damit übertrifft das Ergebnis nicht nur das Vorjahr deutlich, sondern liegt auch 15,9 Prozent über dem Zehnjahresdurchschnitt von jährlich rund 48’019 Neugründungen.
Im Tagesdurchschnitt bedeutet das: Rund 153 neue Unternehmen entstehen pro Tag in der Schweiz. Bereits im ersten Quartal 2025 zeichnete sich der Trend ab, als mit 13’983 Neugründungen ein neues Allzeithoch für ein erstes Quartal gesetzt wurde. Bis Ende September lagen die Zahlen mit 40’867 Neugründungen bereits 4,3 Prozent über der Vorjahresperiode.
Gleichzeitig ist zu beachten, dass nicht jede Eintragung im Handelsregister eine komplett neue Geschäftstätigkeit darstellt. Rund 70 Prozent sind tatsächlich neue Geschäftstätigkeiten, während etwa ein Fünftel bestehende Betätigungen unter neuem Namen weiterführt und rund fünf Prozent auf steuerliche Gründe oder Ausgründungen zurückgehen.
Die gründungsstärksten Branchen 2025
Die Schweizer Gründungslandschaft zeigt sich bemerkenswert vielfältig. Keine einzelne Branche dominiert das Geschehen überproportional – selbst die führende Branche macht nur rund zehn Prozent aller Neugründungen aus.
| Rang | Branche | Gründungen | Anteil |
| 1 | Beratung | 5’829 | ~10,5% |
| 2 | Handwerk | 5’733 | ~10,3% |
| 3 | Immobilienwesen | 5’235 | ~9,4% |
| 4 | B2B & B2C Dienstleistungen | 4’353 | ~7,8% |
| 5 | Architektur & Ingenieurwesen | 4’284 | ~7,7% |
| 6 | IT & ICT | 3’991 | ~7,2% |
| 7 | Finanzen & Versicherung | 3’863 | ~6,9% |
Beratung, Handwerk und Immobilien führen das Ranking an. Besonders bemerkenswert ist die starke Position des Handwerks: Trotz – oder gerade wegen – der zunehmenden Digitalisierung und künstlichen Intelligenz profitieren Handwerksbetriebe davon, dass ihre Tätigkeiten bisher nicht durch Technologie ersetzt werden können. Gerade in Bereichen wie Innenausbau, Elektro- und Sanitärinstallationen ist die Gründungsaktivität stark gestiegen.
Künstliche Intelligenz als Gründungskatalysator
Ein wesentlicher Treiber der Rekordzahlen ist die künstliche Intelligenz. Die Einführung von KI-Technologien hat die Gründungslandschaft in der Schweiz spürbar verändert. Während Neugründungen im Bereich Konsumgüter und Handel zurückgingen, entstanden zahlreiche neue Unternehmen in der IT-Branche, im Consulting sowie in KI-nahen Dienstleistungen.
Die Implementierung von KI in bestehende Geschäftsprozesse erfordert zusätzliche Ressourcen: Berater, Fachkräfte und spezialisierte Partner, die bei der Umsetzung helfen. Genau hier entstehen derzeit viele neue Geschäftsmodelle. Gleichzeitig befinden sich die meisten Unternehmen noch in einer Lernphase und müssen herausfinden, wie sich KI für ihre spezifischen Bedürfnisse sinnvoll einsetzen lässt.
Für Gründerinnen und Gründer eröffnet sich damit ein spannendes Zeitfenster: Wer jetzt mit KI-Expertise und praxisnahen Lösungen auf den Markt kommt, kann von der noch hohen Nachfrage profitieren.
Regionale Unterschiede: Wo wird am meisten gegründet?
Die Gründungsdynamik verteilt sich nicht gleichmässig über die Schweiz. Im Gesamtjahr 2025 zeigen sich deutliche regionale Unterschiede:
| Grossregion | Wachstum ggü. Vorjahr |
| Zentralschweiz | +13,3% |
| Zürich | +5,7% |
| Nordwestschweiz | +5,6% |
| Südwestschweiz | +4,3% |
| Espace Mittelland | +3,0% |
| Ostschweiz | +1,0% |
| Tessin | –2,5% |
Die Zentralschweiz – und insbesondere der Kanton Zug – sticht mit dem stärksten Wachstum hervor. Zug verzeichnete ein Plus von 19,0 Prozent und profitiert von seinem attraktiven Steuerumfeld und der Ansiedlung internationaler Unternehmen. Auch Kantone wie Schaffhausen (+15,7%), Obwalden (+16,9%) und Basel-Landschaft (+10,7%) zeigten überdurchschnittliches Wachstum.
In insgesamt 20 von 26 Kantonen nahm die Zahl der Firmengründungen zu. Lediglich sechs Kantone – darunter Tessin, St. Gallen und Graubünden – verzeichneten leichte Rückgänge.
Rechtsformen im Wandel: AG gewinnt, Einzelfirma verliert
Bei den Rechtsformen zeichnet sich eine interessante Verschiebung ab. Die Aktiengesellschaft (AG) war 2025 die am stärksten wachsende Rechtsform mit einem Plus von 9,7 Prozent. Die GmbH konnte ebenfalls um 8,3 Prozent zulegen und bleibt die beliebteste Rechtsform bei Neugründungen – rund 40 Prozent aller Gründungen entfallen auf sie.
Dagegen verzeichneten Einzelfirmen mit −0,6 Prozent erstmals seit Jahren einen leichten Rückgang. Dieser Trend deutet auf eine veränderte Risikobeurteilung unter Gründerinnen und Gründern hin: Immer mehr Menschen bevorzugen die Trennung von Privat- und Geschäftsvermögen, die eine GmbH oder AG bietet. Kollektivgesellschaften gingen sogar um 9,7 Prozent zurück.
| Rechtsform | Veränderung 2025 | Mindestkapital |
| Aktiengesellschaft (AG) | +9,7% | CHF 100’000 |
| GmbH | +8,3% | CHF 20’000 |
| Einzelfirma | –0,6% | Kein Minimum |
| Kollektivgesellschaft | –9,7% | Kein Minimum |
Internationale Gründerinnen und Gründer stärken den Standort
Ein bemerkenswerter Aspekt der Gründungslandschaft 2025: Mehr als jede dritte Neugründung stammt von Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit. In den ersten drei Quartalen lag dieser Anteil bei 37,5 Prozent – gegenüber 35,8 Prozent im Jahr 2020.
Dieser kontinuierliche Anstieg zeigt, dass die Schweiz zunehmend auch für internationale Gründerinnen und Gründer ein attraktiver Standort ist. Das stabile politische Umfeld, die international vernetzte Wirtschaft und der Zugang zu qualifizierten Fachkräften machen die Schweiz zu einem bevorzugten Ziel für global tätige Start-ups. Besonders die Kantone Zug, Zürich und Genf profitieren von diesem internationalen Zulauf.
Kehrseite des Booms: Steigende Konkurszahlen
Wo viele Unternehmen entstehen, verschwinden auch mehr vom Markt. 2025 wurden rund 14’958 Firmenkonkurse verzeichnet – deutlich mehr als in den Vorjahren. Allerdings ist dieser Anstieg zu einem erheblichen Teil auf eine Gesetzesänderung zurückzuführen, die per 1. Januar 2025 in Kraft trat: Seither müssen auch öffentlich-rechtliche Institutionen Unternehmen auf Konkurs betreiben, was die statistischen Zahlen nach oben trieb.
Experten ordnen die Parallelität von hohen Gründungs- und Konkurszahlen nicht als Widerspruch ein, sondern als Zeichen einer gesunden, sich erneuernden Wirtschaft. Entscheidend sei, dass verlässliche Rahmenbedingungen bestehen, um aus vielen Gründungen nachhaltig erfolgreiche Unternehmen zu entwickeln.
Warum gründen? Die Motivation der Neugründerinnen und Neugründer
Die empirische Studie von PostFinance und dem IFJ, basierend auf 753 qualitativen Interviews mit Neugründerinnen und Neugründern, zeigt ein klares Bild: Im Vordergrund stehen nicht finanzielle Ziele, sondern der Wunsch nach Selbstverwirklichung und Selbstbestimmung. Die Gründung eines eigenen Unternehmens wird immer häufiger als bewusster Schritt gesehen, das eigene Berufsleben aktiv und eigenverantwortlich zu gestalten.
Bemerkenswert ist auch die Geschwindigkeit: Fast drei Viertel der Schweizer Neugründerinnen und Neugründer setzen ihre Idee innerhalb eines Jahres um. Bei knapp einem Viertel dauert es sogar weniger als drei Monate von der ersten Idee bis zur Firmengründung.
Als grösste Herausforderungen vor der Gründung werden die Akquise von genügend Aufträgen und administrative Hürden genannt. Die eigentlichen Gründungsschritte – wie das Schreiben eines Businessplans oder die Wahl der Rechtsform – werden hingegen von der Mehrheit als gut bewältigbar empfunden.
Firma gründen 2026: Was angehende Gründer jetzt wissen sollten
Wer von den positiven Rahmenbedingungen profitieren und 2026 ein eigenes Unternehmen gründen möchte, sollte einige zentrale Punkte beachten:
1. Die richtige Rechtsform wählen
Die GmbH ist mit einem Mindestkapital von CHF 20’000 der Klassiker für KMU und bietet den Vorteil der Haftungsbeschränkung auf das Gesellschaftsvermögen. Die Einzelfirma ist einfacher und günstiger zu gründen, bringt aber eine persönliche Haftung mit sich. Die AG erfordert ein Mindestkapital von CHF 100’000, bietet dafür aber maximale Flexibilität bei der Kapitalaufnahme.
2. Businessplan erstellen
Auch wenn das Schreiben eines Businessplans keine gesetzliche Pflicht ist, bildet er die Grundlage für eine fundierte Planung. Er hilft nicht nur bei der Finanzierung, sondern zwingt dazu, das eigene Geschäftsmodell, die Zielgruppe und die Wettbewerbssituation klar zu definieren.
3. Finanzierung und Kapitalplanung sicherstellen
Eine präzise Kapitalplanung, die den gesamten Zeitraum bis zum Break-even abdeckt, ist unerlässlich. Neben dem Gründungskapital fallen Notar- und Handelsregistergebühren an – bei einer GmbH typischerweise zwischen CHF 1’000 und 2’700 für die administrativen Kosten.
4. Sozialversicherungen und Steuern klären
Selbstständige müssen sich bei der AHV/IV anmelden und die MWST-Pflicht prüfen, die ab einem Jahresumsatz von CHF 100’000 greift. Bei Kapitalgesellschaften gelten die Inhaber als eigene Angestellte und müssen entsprechend abgesichert werden.
5. Digitalen Auftritt von Anfang an planen
Ein professioneller Webauftritt und eine durchdachte Marketingstrategie sind gerade für junge Unternehmen entscheidend. Wer früh in Sichtbarkeit investiert, baut schneller Vertrauen bei potenziellen Kundinnen, Kunden und Geschäftspartnern auf.
Ausblick: Was erwartet die Schweizer Gründungsszene 2026?
Die Zeichen stehen auch für 2026 auf Wachstum. Die Schweiz bietet weiterhin hervorragende Rahmenbedingungen: ein stabiles politisches Umfeld, eine starke Infrastruktur, international anerkannte Hochschulen und ein dichtes Netzwerk an Unterstützungsangeboten für Gründerinnen und Gründer.
Gleichzeitig stehen Herausforderungen bevor. Steigende Kosten, Fachkräftemangel und die zunehmende Komplexität globaler Märkte stellen junge Unternehmen vor Bewährungsproben. Wer jedoch mit einer klaren Vision, einem soliden Geschäftsmodell und der nötigen Portion Mut an den Start geht, findet in der Schweiz nach wie vor eines der besten Umfelder weltweit, um unternehmerische Ideen in die Realität umzusetzen.
Fazit
Das Jahr 2025 war ein Rekordjahr für Firmengründungen in der Schweiz. 55’654 Neugründungen zeigen eine ungebrochene Gründungsdynamik, die von KI-getriebenen Geschäftsmodellen, internationalen Gründern und dem anhaltenden Wunsch nach Selbstverwirklichung getragen wird. Ob GmbH, AG oder Einzelfirma – die Schweiz bietet für verschiedenste Geschäftsideen und Bedürfnisse die passende Struktur und die nötigen Unterstützungsangebote. Wer den Schritt in die Selbstständigkeit erwägt, findet aktuell beste Voraussetzungen vor.


